• Auf dem Programm standen verschiedene Themen aus der Raumfahrtforschung des DLR.
  • Die Delegation informierte sich unter anderem über die Isolationsstudie SOLIS100, die Bettruhestudie SMC3, den Strahlungsdetektor M-42, die Humanzentrifuge und den Rover Idefix.
  • Anschließend ging es weiter zum Mondzentrum LUNA und zum Europäischen Astronautenzentrum (EAC).
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Exploration, Raumfahrtmedizin, Robotik, Mond, Mars

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Europäische Weltraumorganisation ESA in Köln besucht. Im :envihab, dem weltweit führenden luft- und raumfahrtmedizinischen Zentrum des DLR, informierte sich Dorothee Bär unter anderem über die Isolationsstudie SOLIS100. Die Studie der ESA läuft aktuell mit sechs europäischen Teilnehmenden im :envihab. SOLIS100 untersucht die Auswirkungen von 100 Tagen Isolation auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Die Studie bringt die Expertise von 23 internationalen wissenschaftlichen Teams zusammen.

Ebenfalls im :envihab und zeitgleich zu SOLIS100 findet eine Bettruhestudie in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA statt. Die Studie untersucht, wie den sensomotorischen Beeinträchtigungen, die durch die Schwerelosigkeit hervorgerufen werden, entgegengewirkt werden kann: Künftige Astronautinnen und Astronauten werden längere Zeit der Schwerelosigkeit ausgesetzt sein, sie müssen sich gut und sicher bewegen und brauchen Kraft. Die Studie untersucht, wie man mit relativ kleinen und leichten Trainingsmethoden die Funktion des Bewegungsapparats aufrechterhalten kann. Dafür simuliert das Studienteam die Effekte der Schwerelosigkeit. Die Probandinnen und Probanden liegen nicht nur 60 Tage im Bett. Zusätzlich ist das Bett zum Kopf hin um sechs Grad nach unten geneigt, damit sich auch die Körperflüssigkeiten wie in der Schwerelosigkeit in Richtung Kopf verschieben. Wie im All nimmt dann die Muskelmasse ab und der Gleichgewichtssinn verschlechtert sich. Bettruhestudien werden im DLR schon seit vielen Jahren unter anderem gemeinsam mit der NASA durchgeführt. Die Teilnehmenden werden auch „terrestrische Astronautinnen und Astronauten“ genannt.

Humanzentrifuge erzeugt künstliche Schwerkraft

Die Kurzarm- Zentrifuge im :envihab war ebenfalls eine Station des Besuchs. An dieser Human-Zentrifuge erforscht das DLR Gegenmaßnahmen zu den gesundheitlichen Risiken, die unter Schwerelosigkeit auftreten. Zu diesen Risiken zählen der Abbau von Knochen- und Muskelmasse, eine Herz-Kreislauf-Schwäche oder Störungen des Gleichgewichtssystems. Humanzentrifugen können unter anderem die Effekte künstlicher Schwerkraft analysieren. Ziel der DLR-Forschung ist hier der Leistungserhalt der Crew mit einem Training unter künstlicher Schwerkraft. Das DLR führt auch Studien dazu durch, wie sich veränderte Schwerkraft gezielt in Rehabilitationskonzepte sowie in biologische und medizinische Forschung auf der Erde übertragen lässt.

Vier DLR-Strahlungsdetektoren an Bord von Artemis II

Vier M-42 EXT Strahlungsdetektoren sind im April 2026 mit der Artemis II-Mission der NASA im Orion-Raumschiff um den Mond geflogen. Bei Artemis II waren drei Astronauten und eine Astronautin an Bord, sie haben die Sensoren an vier Messpunkten im Raumschiff befestigt. Die Strahlungsbelastung im Weltraum gilt als besonders gefährlich für Menschen. Sie erhöht das Krebsrisiko und kann im Extremfall zur akuten Strahlenkrankheit führen. Die M-42 Strahlungsdetektoren erfassen die Strahlenbelastung präzise. So werden auch neue Daten zur Gesunderhaltung zukünftiger Crews erhoben. M-42 Strahlungsdetektoren waren zuvor schon an Bord von Artemis I – verbaut in den beiden Messphantomen Helga und Zohar.

Direct Return – in Köln gewöhnen sich europäische Astronautinnen und Astronauten wieder an die Schwerkraft

Im :envihab wird außerdem der sogenannte Direct Return für europäische Astronautinnen und Astronauten durchgeführt. Nach ihrer Rückkehr von der ISS verbringen sie hier mehrere Tage mit wissenschaftlichen Tests und gewöhnen sich wieder an die Schwerkraft. Auch ESA-Astronaut Matthias Maurer, der den Besuch von Dorothee Bär begleitet hat, war im Jahr 2022 zum Direct Return im :envihab.

Die beiden Marsmonde Phobos und Deimos sind das Ziel der japanischen Erkundungsmission „Martian Moons eXploration“, kurz MMX. Das DLR und die französische Raumfahrtagentur CNES sind mit dem Landefahrzeug Idefix beteiligt, das die Oberfläche von Phobos mehrere Wochen erkunden wird. Idefix wird voraussichtlich 2029 auf Phobos ankommen. Nach der Landung – und einigen Hüpfern – soll er sich selbstständig aufrichten, einsatzbereit machen und verschiedene Ziele anfahren.

Vom :envihab zu LUNA und zum EAC

Nach dem Besuch im :envihab hat die Delegation aus dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das Mondzentrum LUNA angeschaut. In der weltweit einzigartigen Trainingseinrichtung werden künftige astronautische und robotische Mondmissionen in einer realistischen Umgebung vorbereitet. LUNA – ein gemeinsames Projekt von DLR und ESA – ist unter anderem mit 900 Tonnen „Mondstaub“ gefüllt, der dem echten Regolith täuschend ähnlich ist. Insgesamt ermöglicht LUNA die Durchführung hochkomplexer Simulationen.

Direkt gegenüber befindet sich das Europäische Astronautenzentrum (European Astronaut Centre, EAC), wo die ESA-Astronautinnen und -Astronauten für ihre Missionen ausgewählt und vorbereitet werden. Während der Missionen unterstützt das EAC von Köln aus die Astronautinnen und Astronauten sowie ihre Familien.

Quelle: DLR

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